› Wasserwerk Stolpe

Das Wasserwerk Stolpe war eigentlich mal das Wasserwerk der aufstrebenden Vorortgemeinde Pankow – als solches wurde es vor genau 105 Jahren gebaut. Mit dem kleinen Werk an der Havel sollte die Wasserversorgung der Gemeinde Pankow sichergestellt werden. Doch das ist Geschichte: Heute ist Pankow Teil Berlins und Stolpe versorgt zwar immer noch einen Teil der Pankower, vor allem aber die Menschen in Glienicke, Borgsdorf, Mühlenbeck, Schönfließ, Hohen Neuendorf, Schildow, Stolpe, Bergfelde und Berlin-Reinickendorf – insgesamt rund 450.000 Menschen.

In den 1980er Jahren entstand neben den damals aufgegebenen alten Anlagen ein neues Wasserwerk, das damals nicht nur den Norden Ostberlins und anliegender Gemeinden, sondern sogar Teile von Potsdam belieferte.

Heute kann das Werk täglich 120.000 m³ Trinkwasser fördern und aufbereiten , ausreichend um damit 48 Olympische Schwimmbecken zu füllen.  Im Wasserwerk Stolpe wird wie in allen Berliner Wasserwerken ausschließlich Grundwasser gefördert. Dieses kommt aus Schichten, die mindestens 20 Meter tief unter der Erdoberfläche liegen. Über die Havel, über Grundwasseranreicherungsflächen und Niederschläge bildet sich Grundwasser stets neu. Bei der Passage durch den Boden wird es auf natürlichem Wege gereinigt. 91 Brunnen gewinnen das Grundwasser und pumpen es zum Wasserwerk. Im Werk wird das Wasser zunächst „belüftet“. Bei Kontakt mit Sauerstoff reagiert im Wasser gebundenes Eisen und Mangan und bildet kleine Flocken, die in einer Schicht aus Sand und Kies herausgefiltert werden. Fertig ist ein natürliches Lebensmittel, das strenger kontrolliert wird als die meisten anderen. Das Einhalten der Trinkwasserverordnung garantiert lebenslangen und folgenlosen Genuss. Die dort aufgeführten Parameter und Grenzwerte werden immer wieder gesichertem medizinischen Wissen angepasst. Das Stolper Wasser unterschreitet diese Werte ausnahmslos.

Wer neu in das Versorgungsgebiet des Wasserwerks zieht, wundert sich womöglich über die mitunter wahrnehmbare leichte Färbung des Stolper Trinkwassers. Ursache ist ein Naturprodukt, so genannte Huminstoffe, mineralisierte Biomasse ähnlich dem Torf im Boden. Beim Versickern durch die unterschiedlichen Bodenschichten reichert sich das Wasser nicht nur mit wertvollen Mineralien sondern auch mit diesen Huminstoffen an. Sie sind gesundheitlich unbedenklich, aber optisch und geschmacklich unerwünscht. Deshalb gibt es auch für Parameter wie Färbung strenge Werte der Trinkwasserverordnung, die das Wasser aus Stolpe einhält.

Der „Nachschub“ fürs Grundwasser versickert zu weiten Teilen auf den Havelwiesen im Umfeld des Werkes. Auf den ausgedehnten Wiesen wird seit über 40 Jahren Havelwasser gestaut. Was zu einem rein technischen Zweck konzipiert wurde ist heute zugleich ein wichtiges Schutz- und Brutgebiet für viele auch seltene Wasservögel. Das Wasserwerk Stolpe ist mit einer Jahresförderung von rund 22 Millionen Kubikmetern nach den Werken Tegel, Friedrichshagen, Beelitzhof und Spandau das fünftgrößte der neun Berliner Wasserwerke und zugleich das einzige, das nicht auf dem Berliner Stadtgebiet liegt. Es bildet gemeinsam mit den Wasserwerken Tegel, Spandau und Kladow  eine organisatorische Einheit und wird vom Wasserwerk Tegel überwacht und gesteuert.

Demnächst lädt das Wasserwerk Stolpe alle interessierten Glienickerinnen und Glienicker zu einem Tag der offenen Tür ein. Der Termin wird noch bekannt gegeben.

Carsten Utke, Leiter des Wasserwerks Tegel, Berliner Wasserbetriebe

Reinhard Wolff, Technischer Leiter, Wasser Nord